Silke Schmitz im Gespräch
mit... Carsten
Linnhoff Westline
Redaktionsleiter (Ruhrnachrichten) | |
| Schmitz | Sehr
geehrter Herr Linnhoff, unlängst erhielt ich eine ganz besondere Frage, die
ich Ihnen hiermit übermittle! "Sehr geehrte Damen und Herren, also
es kann mir doch keiner erzählen, dass Sie ein Presseorgan im üblichen
Sinne sind! Also was Sie hier Internet fabrizieren oder in Ihren Blättern
(z.B. Ruhrnachrichten) publizieren erinnert mich eher an eine Sekte! Hier stimmt
doch gar nichts! Was Sie tun ist doch absoluter Quatsch und hat mit der Wirklichkeit
und Journalismus weder in übelster Art noch in edelster Art was zu tun! Was
sind Sie eigentlich für Clowns?" (Meggi Böing,
Bochum, 27.05.2002) | | Linnhoff |
Vielen Dank für Ihre Anfrage/Anmerkungen zu Westline und den Ruhr Nachrichten.
Lassen wir doch einfach mal die User, bzw. Zeitungsleser über Qualität
und Zustimmung entscheiden. Laut IVW erreicht Westline im Monat rund 5 Mio. PageImpressions.
Und ob dieser Riesenzuspruch daher kommt, weil wir von Westline so lustige Clowns
sind und gute Witze reißen lassen wir mal dahingestellt. Aber gute Clowns
verdienen unseren höchsten Respekt und deshalb wollen wir uns mal mit dieser
Berufsgruppe, die ja im Allgemeinen als Künstler gelten, nicht auf eine Stufe
stellen. Bei
den Zeitungsauflagen sieht es auch nicht schlecht aus. Die von Ihnen kritisierten
Ruhr Nachrichten kommen da auf ca. 174.000 verkaufte Exemplare am Tag. Auch IVW
geprüft. Damit gehört diese Zeitung zu den nicht ganz kleinen in Nordrhein-Westfalen.
Was der gemeine Zeitungsleser jetzt unter der Definition "Presseorgan im üblichen
Sinne" ansieht, wie Sie es schreiben, vermag ich jetzt auch nicht zu beurteilen.
Und so verbleibe ich mit freundlichem Gruß und vertraue auch weiterhin dem
guten Geschmack und der Selbstregulation des Marktes... |
| Schmitz | Um
Missverständnissen vorzubeugen, ich habe die "Frage" nur weitergeleitet!
Meine Fragen würden lauten: "Warum haben die Bochumer Ruhrnachrichten die
Stimmenkauf-Affäre im Opel-Betriebsrat den Lesern verheimlicht? Warum wurde
in den Ruhrnachrichten 02.03.2001 fälschlicher
Weise behauptet, dass Ludger Hinse (1.IG-Metall-Bevollmächtigter von Bochum)
gegen den Mein-Bochum Herausgeber in einem Zivilprozess vergangenen Jahres "gewonnen"
hätte, obwohl er zu 2/3 verloren hat! Die Ruhrnachrichten haben Ihre Leserinnen
+ Leser belogen! Warum? | | Linnhoff | Sie
haben meine Mail bekommen und dem gibt es nichts hinzuzufügen. Übrigens:
Wenn ich Mails für jemanden weiterleite, würde ich mir den Inhalt schon
genau anschauen, bevor ich das mache... |
| Schmitz | Wir
versuchen auf offene Fragen unserer Leser Antworten zu finden und senden deren
Fragen an die zuständige Adresse! Selbstverständlich werden die Fragen
vorher gelesen. Im
Raum steht allerdings weiter der Vorwurf, dass Ihre Zeitungen falsche Nachrichten
verbreiten! Dieser Service dürfte doch nicht gratis erfolgen! Hat Ihr Zeitungsverlag
oder der Redakteur des Artikels eine Gegenleistung für die gezielte Desinformation
erhalten, dass Ludger Hinse den Zivilprozess im Jahr 2001 gegen das Mein-Bochum-Magazin
gewonnen hat? | | Linnhoff | Wie
wäre es denn mal, wenn Sie die einfachsten Regeln einhalten würden.
Zum Beispiel, dass Sie sofort erkennbar machen, wer Sie sind, welche Nachfragen
Sie weiterleiten usw. Vielleicht können Sie sich vorstellen, dass ich Sie
überhaupt nicht kenne!? Vielleicht kann ich Sie dann auch etwas ernster nehmen.
Allerdings muss ich schon schmunzeln, wenn ich Ihre Frage lese (Vorwurf der Bestechlichkeit).
Und noch
ein Tipp. Bevor Sie wie wild Mails durch die Gegend schicken, achten Sie
doch bitte darauf, dass Sie die richtigen Ansprechpartner erwischen. Westline
ist der Online-Dienst von 10 Tageszeitungsverlagen. Ich bin Redaktionsleiter von
Westline und habe mit dem, was die Ruhr Nachrichten veröffentlichen nur indirekt
etwas zu tun. Ich werde Ihre Mail jetzt an die Verlags-Juristen, den Redaktionsleiter
in Bochum, die Chefredaktion und die Verlagsleitung weiterreichen. Die Herren
werden dann entscheiden, ob, wer und was Ihnen geantwortet wird. |
| Schmitz | Herr
Linnhoff, das ist doch der ganze Trick an der Sache! Übrigens haben alle
anderen Stellen, die Sie aufzählen, meine 1.E-Mail auch erhalten. Nur Sie,
Herr Linnhoff, haben als einziger geantwortet! Das Interview können Sie morgen
im Mein-Bochum Magazin nachlesen! |
| Linnhoff | Das
ist ja ein Spitzen-Trick. Wenn Ihnen das als Information reicht (obwohl ich mit
den Ruhr Nachrichten nichts zu tun habe) dann wünsche ich Ihnen viel Spass
bei der Veröffentlichung. *grins* |
| Schmitz | Sie
haben recht, das Interview ist nicht besonders prickelnd. Wichtig ist aber festzuhalten,
dass Sie, obwohl Sie Redaktionsleiter von Westline sind, weder von der Stimmenkauf-Affäre
im Bochumer Opelbetriebsrat noch von der Ludger-Hinse-Affäre
je was gehört haben! Der Vorwurf, in der ersten Frage einer Mein-Bochum Leserin,
trifft somit ins Schwarze! Wenn die Frage auch recht unkonventionell gestellt
worden ist. | | Linnhoff | Also
wie schon geschrieben. Die von Ihnen zitierte Leserin, deren Namen Sie bisher
noch nicht verraten haben, hat sich ja angeblich über die Ruhr Nachrichten
geäussert. Da sind Sie bei mir an der völlig falschen Adresse. Sie können
es jetzt deshalb noch 10 Mal probieren. Ich bin der falsche Ansprechpartner. Aber
ich denke, dass haben Sie verstanden. Sie schreiben:
"Sie
haben recht, das Interview ist nicht besonders prickelnd. Wichtig ist aber festzuhalten,
dass Sie, obwohl Sie Redaktionsleiter von Westline sind, weder von der Stimmenkauf-Affäre
im Bochumer Opelbetriebsrat noch von der "Ludger-Hinse-Affäre" je was
gehört haben!" Und
als Redaktionsleiter von Westline kann ich Ihnen sagen, dass Sie (oder Ihre Leserin)
wohl falsch informiert sind. Aber das ist auch nicht schlimm, denn ich kann auch
nicht den ganzen Tag WDR hören und mitverfolgen, ob die Kollegen dort über
etwas berichten oder nicht. Allerdings behaupte ich dann auch nicht, dass die
Kollegen dort über etwas "nicht" berichtet haben. Ähnlich ist das bei
Westline, denn wir aktualisieren mehrmals am Tag unsere Homepage und das Thema
Opel konnten Sie bei uns nachlesen. Ist übrigens von der Deutschen Presse-Agentur
(dpa) gemeldet worden. Wenn Sie also etwas am Inhalt zu bemängeln haben,
müssen Sie sich in Hamburg beschweren... *grins*
Ich wünsche
Ihnen einen erholsamen Feiertag und ich würde mich freuen, wenn Sie noch
häufiger auf unsere Homepage schauen würden, denn dann sind Sie gut
informiert! | | Schmitz | Die
Leserin heißt Meggi Böing! Wenn Sie der falsche Ansprechpartner sind,
warum antworten Sie denn dann? Vielleicht gibt es ja gar keinen richtigen Ansprechpartner?
Von 10 angeschriebenen Stellen antworteten nur Sie, Herr Linnhoff!
Wenn Sie tatsächlich der
Auffassung sind, dass eine Lokalredaktion, z.B. die Ruhrnachrichten in Bochum,
der Pflicht der Berichterstattung und dem Anspruch der Leser auf Informationen
aus erster Hand Genüge getan hat, wenn Nachrichten über die eigene Stadt
erst veröffentlicht werden, wenn diese über den Ticker der dpa gegangen
sind, tun Sie mir ehrlich leid. Kein Wunder, dass die Bochumer Ruhrnachrichten
ihren Lesern täglich nur eiskalten Kaffee serviert. Sie verbreiten in Ihrem
Westline auch nur gepflegte Langeweile. Noch nie etwas von eigener Recherche oder
dem Telefon gehört? Sie und Ihre Kollegen sind doch kein Journalisten, sondern
was anderes. Nur was? Ihre Leserschaft fordert endlich Rechenschaft! Der
Vorwurf Ihrer Leser: Ihr Verlag kassiert vom Abonnenten ab und liefert Schrott,
gar nichts oder Lügengeschichten! Die Frage von Frau Böing ist sehr
berechtigt! Jetzt treten Sie mal Ihren Bossen in den Hintern und besorgen Sie
endlich mal eine vernünftige Antwort, wenn Sie inkompetent sind! Ich danke
für das Gespräch! | | Stand:
30.04.2002 | |