| Report:
AIDS-Hilfe-Bochum AIDS und HIV - Die aktuelle Situation: 1987 gab es weltweit 44.000 registrierte AIDS-Fälle. Derzeit gibt es weltweit 42 Millionen Menschen, die an dem Virus erkrankt sind. Alle sechs Sekunden infiziert sich ein weiterer Mensch mit dem HI-Virus, alle zehn Sekunden stirbt ein Mensch daran. AFRIKAVon den aktuell 42 Mill. Infizierten befinden sich 67% in Afrika, im Raum südlich der Sahara. 83% - das bedeutet 11,5 Millionen aller bisher durch AIDS verursachten Todesfälle sind dort zu verzeichnen. Jeder achte Afrikaner im Alter zwischen 15 und 49 Jahren ist HIV-positiv. Die Hauptübertragungsursache ist der heterosexuelle Verkehr, daher sind auch extrem viele Mütter und Schwangere von HIV und AIDS betroffen. Während man vor zehn Jahren, popularisiert durch den weit verbreiteten Aberglauben, noch pulverisiertes Nashornpulver zum Schutz vor der Krankheit einnahm, glauben mittlerweile viele südafrikanische Männer, dass sie sich durch den Beischlaf mit einer kindlichen Jungfrau vor dem Virus schützen können. Nicht nur, dass durch diese Methode das Virus aggressiv übertragen wird; die Anzahl der erfassten Fälle der misshandelten und vergewaltigten Mädchen im Alter zwischen vier und zehn Jahren ist dadurch um 16% gestiegen. Erschwerend dazu kommt die Tatsache, dass die extreme Ausbreitung der Krankheit durch Politik und Medien immer noch verschwiegen oder abgeschwächt wird. Im Jahr 2000 weigerte sich Tabo Mbeki, der Präsident Südafrikas, zuzugeben, dass HIV zu AIDS führen kann. ASIEN 20% der weltweit infizierten Menschen sind in Süd- und Südostasien zu finden. Dies entspricht einer Zahl von 6,7 Millionen Menschen. 0,69% der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren ist HIV-positiv. Die Hauptübertragungswege sind hier der Drogenkonsum und, bedingt durch den Sex-Tourismus, der homo- und heterosexuelle Verkehr. Gerade die nordamerikanischen, deutschen und französischen Männer, die für billigen Sex nach Asien reisen, bestehen auf ungeschützten Verkehr mit meist noch minderjährigen Mädchen und Jungen. Jene, die durch ihren Drogen- und Alkoholkonsum oder angewandte Gewalt polizeilich erfasst wurden, waren zu 88% verheiratet. Die epidemiologische Situation gleicht der Afrikas. OSTASIEN & PAZIFIK 1,7% der weltweit Infizierten, also insgesamt 560.000 Menschen sind im ostasiatisch-pazifischen Raum HIV-positiv. Dies entspricht 0,07% der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren. Bedingt durch den auch hier verbreiteten Sex-Tourismus sind außer Drogenkonsum hetero-, homo- und bisexueller Verkehr die Hauptübertragungswege. Auch hier gleicht die epidemiologische Situation der Afrikas. Durch die mangelnde Aufklärung in der Bevölkerung kam es immer wieder zu Übergriffen, auch auf infizierte Mütter. Im Jahr 2003 zählte man 57 erschlagene HIV-Positive, die entweder von der eigenen Familie oder den Nachbarn nach Bekanntwerden der Krankheit zu Tode geprügelt oder bei lebendigem Leibe verbrannt wurden NORDAMERIKA 2,7% der weltweit Infizierten, also insgesamt 890.000 Menschen sind auf dem nordamerikanischen Kontinent zu finden. Dies bedeutet, dass 0,56% der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren HIV-positiv sind. Die Hauptübertragungswege sind homo- und bisexueller Verkehr, Drogenkonsum und heterosexueller Verkehr (in der absteigenden Reihenfolge der Häufigkeit der Erkrankungen genannt). Bei den Neuinfektionen der letzten Jahre ist der Anteil der homo- und bisexuellen Männer kontinuierlich zurück gegangen, jedoch bei den Drogenabhängigen und den auf heterosexuellem Wege infizierten Menschen angestiegen. Dies liegt zum Teil auch an dem maroden Gesundheitssystem, in dem Drogenabhängige nur in einigen staatlichen Krankenhäusern eine Minimalversorgung in Anspruch nehmen können und die Wartelisten für einen staatlich finanzierten Entgiftungsplatz bis zu sechs Jahren dauern können. Auch geht ein Großteil der mittelständischen Amerikaner davon aus, dass man als heterosexuell ausgerichtete(r) Frau/Mann das Virus nicht bekommen kann. Aufklärung findet an staatlichen Schulen aufgrund eines massiven Mangels an finanziellen Mitteln zu 93% nicht statt. Zwei Drittel der Neuinfizierten sind Angehörige ethnischer Minderheiten; jede Dritte ist eine Frau. Durch illegale Einwanderung und ohne Anspruch auf medizinische Versorgung werden viele Einwanderer in die Prostitution getrieben. Viele Zuhälter halten sich die jungen Frauen und Männer "gefügig" durch das Spritzen von Drogen. Die Nadeln werden geteilt. Safer Sex findet nicht statt. In der Regierungszeit Ronald Reagans wurde AIDS in einer seiner öffentlichen Ansprachen erstmals erwähnt, nachdem bereits 25.000 Amerikaner an der Krankheit gestorben waren. Vorher waren HIV und AIDS in Amerika offiziell "nicht vorhanden". Nachfolgend nun eine Anekdote zur Verdeutlichung der aktuellen Situation Sam Phelps, Schüler der Topeka West High School in Topeka, Kansas, wollte an seiner Schule Extrapunkte sammeln, die den Schülern durch aktive und hilfreiche Arbeit innerhalb der Gemeinde gutgeschrieben werden. Während seine Klassenkameraden im Seniorenheim oder den Krankenhäusern halfen, ging Sam mit einem Schild auf die Beerdigung eines Menschen, der an AIDS verstorben war, mit der Aufschrift: "TOD DEN TUNTEN". Seine Verwandten halfen ihm dabei, ebenso beim Belästigen von Schwulen bei einem Barry-Manilow-Konzert oder dem Outen von lokalen Richtern und Beamten. Sein Lehrer, der diese "Dienste" natürlich nicht belohnen wollte, knickte ein, nachdem Sams Großvater, ein Gemeindepfarrer der für den Senat kandidierte, sich beschwerte. Die Schulleitung änderte daraufhin ihre Meinung und versprach, Sam seine Extrapunkte zu geben, wenn er nun weiterhin Babysitting und andere Dienste verrichten würde. Er versprach es und bekam seine Punkte. Der Bürgermeister der Stadt, ein Freund des Großvaters, verlieh Sam die Auszeichnung der Stadt für Leistungen für das Gemeinwohl. KARIBIK 330.000 Menschen, 1% der weltweit Infizierten sind hier zu finden. 1,96% der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren sind HIV-positiv. Hetero-, homo- und bisexueller Verkehr sind die Hauptübertragungswege. Auch hier mangelt es an entsprechender Aufklärung und den finanziellen Mitteln dafür. LATEINAMERIKA 1,4 Millionen Menschen der weltweit Infizierten sind hier zu finden; das sind 4,2%. 0,57% der lateinamerikanischen Bevölkerung zwischen dem 15. und 49. Lebensjahr sind HIV-positiv. Honduras ist besonders stark betroffen. Die Hauptübertragungswege sind auch hier (abnehmende Reihenfolge der Häufigkeit) der homo- und bisexuelle Verkehr und der Drogenkonsum. Auch hier spielt die finanzielle wirtschaftliche Situation eine maßgebliche Rolle bei der Begründung bezüglich der fehlenden Aufklärungsarbeit. Die Kirche übt eine starke Macht auf die praktizierenden Katholiken aus und in ländlichen Gegenden sind Kondome entweder schwer zu beschaffen oder verhältnismässig teuer. Schwule Söhne werden häufig aus ihren Familien verstoßen, kommen in die Städte und landen in der Prostitution. OSTEUROPA 0,8% der weltweit mit HIV infizierten Menschen sind hier zu finden; insgesamt 270.000 Menschen. Dies bedeutet, dass 0,14% der Bevölkerung Osteuropas zwischen dem 15. und 49. Lebensjahr HIV-positiv sind. Die Hauptübertragungswege sind hier der Drogenkonsum und der homo- und bisexuelle Verkehr. Hier hat seit Beginn der frühen 90-er Jahren eine sehr schnelle Ausbreitung des Virus stattgefunden; insbesondere durch das Drogen- und Prostitutionsgewerbe. Die meisten osteuropäischen Männer betrachten es als Männlichkeitsverlust, mit einem Kondom sexuellen Verkehr auszuüben. Dementsprechend wird in 82% der Bordelle kein Safer Sex praktiziert. EUROPA Hier existiert ein Gefälle in der Verteilung von HIV und AIDS. Die südlichen Länder (Spanien, Italien, Portugal und auch die Schweiz) können die meisten AIDS-Fallzahlen pro Million Einwohnern verzeichnen; der Anteil der Drogengebrauchenden ist besonders hoch. Im restlichen Europa (ausgenommen Osteuropa, siehe oben) sind hauptsächlich homo- und bisexuelle Männer betroffen.In Deutschland leben derzeit 43.000 Menschen mit einer HIV-Infektion, 400 davon sind Kinder. Darunter befinden sich ca. 5.000 Menschen, die mit AIDS leben. 1990 waren es 5.000 Menschen mit einer HIV- Infektion. Im Jahr 2003 gab es ca. 2.000 Neuinfektionen; 1.500 Männer, 500 Frauen und 20 Kinder. Die Zahl der AIDS-Erkrankungen betrug 2003: 550 Männer, 150 Frauen und 5 Kinder. 600 Menschen sind im letzten Jahr hier in Deutschland an AIDS gestorben. Die Gesamtzahl der HIV-Infizierten seit Beginn der Epidemie beträgt hier in Deutschland 65.000; davon 27.000 AIDS-Erkrankungen. Seitdem sind 22.000 Menschen hier an der Krankheit gestorben. Mittlerweile erkennt man eine "Safer-Sex-Müdigkeit", was den Gebrauch eines Kondoms betrifft. Sogenanntes "Bareback" (Sexueller Verkehr ohne Kondom) ist wieder auf dem Vormarsch. Viele schwule Männer der jüngeren Generation sind der Meinung, dass eine Ansteckung mit dem HI-Virus nicht mehr so schlimm sei, es gäbe ja gute Medikamente mit wenig Nebenwirkungen. Viele heterosexuelle Männer, die regelmäßig zu Prostituierten gehen, empfinden es als "unmännlich", in einem Bordell ein Kondom zu nutzen. In der Generation der sexuell aktiven 18- bis 30-Jährigen gilt geschützter Verkehr ebenfalls als "uncool". Aussagen wie: "Ich bin immer vorsichtig, und so viel Sex habe ich ja nicht", "Ich würde mit niemandem schlafen, der AIDS hat, das sieht man den Leuten doch an", oder "Mir passiert das nicht, das trifft nur Schwule, und ich ernähre mich auch immer gesund" sind keine Seltenheit. Zusammengefasst von Susa Nientiedt AIDS-Hilfe Bochum e.V. |
|
Quellen: Epidemiologisches Bulletin des
Robert-Koch-Instituts, AIDS-Hilfe Bochum e.V., eigene Recherchen und das
Internet |